Rauhkarlspitze

10.07.2019

Viele offene Projekte habe ich ja nicht mehr im Karwendel. Auch wenn ich freilich nur einen Bruchteil der Gipfel dort besucht habe. Aber auf die Rauhkarlspitze wollte ich dennoch schon länger mal schauen. Und eventuell den Übergang zur Kaltwasserkarspitze sondieren. Oder den direkten Übergang zum unbenannten Gipfel P. 2526.

Und obendrein steht mir gerade der Sinn nach einer gemütlichen Tour, bei der ich psychisch nicht gleich wieder an meine Grenzen komme. So viel habe ich dieses Jahr ja noch nicht gemacht. Also von Scharnitz ins Hinterautal und auf die Rauhkarlspitze. Wie es dann weiter gehen soll, will ich vor Ort nach Laune und Wetter entscheiden.

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Wunderbare Stimmung im Hinterautal.

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Die junge Isar vor den Nordwänden des Hohen Gleirsch.

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Links die Nördliche Jägerkarspitze, wo der Philipp fast abgestürzt wäre. Mittig die Rigelkarspitzen.

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Die Scharnitzer (falsche) Isarquelle.

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Einheimische auf dem Weg.

Von der Kastenalm geht es noch ein paar Meter mit dem Rad in Richtung Roßloch hinter. Dann über den Moserkarbach, der noch ganz schön viel Schmelzwasser führt und es nötig macht, das Rad hinüber zu tragen.

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Teufelkralle.

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Verblühte Kuhschelle.

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Ein erster Blick zum Ziel. Links die Rauhkarlspitze, rechts der P. 2526.

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Auf gutem Steig geht es hinein ins Moserkar.

Ich folge vom Radldepot dem Jägersteig ins Moserkar. Er führt geschickt durch ein steiles Latschenfeld vom Unteren Moserkar ins Rauhkarl, das durch den Südgrat vom P. 2526 vom Oberen Moserkar getrennt wird.  In dieser Landschaft lässt sich gut erahnen, wie es hier mit Gletschern ausgesehen haben muss. Weit über mir erkenne ich einen anderen Wanderer, den ich bald einhole. Er möchte zur Moserkarspitze und ist dankbar, dass ich ihm sage wie er dort hinkommt. Er war viel zu weit westlich im falschen Kar gelandet, möchte dennoch nicht mal einen Blick auf die Karte werfen. Ich peile in etwa die Westliche Moserkarscharte an.

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Über dem Moserkarbach thront die Nordwand vom Reps, dahinter die Lafatscher.

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In Bildmitte der Wanderer auf falscher Fährte.

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Blick nach Süden.

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Blick auf die Westliche Moserkarscharte.

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Durch brüchige Schrofen arbeite ich mich zum Grat hinauf.

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Gemütliches Gehgelände.

Kurz bevor ich den Grat erreiche, wende ich mich nach Westen. Erst knapp unterhalb, dann direkt am Grat strebe ich dem Gipfel zu. Es geht gut zu gehen über den flachen Schutt. Im Dunst kann ich schon den steilen Gipfelaufbau erkennen. Rechts fällt fast senkrecht die Nordwand zum Kleinen Ahornboden ab.

Es dauert nicht lang, dann stehe ich vor dem letzten Hinderniss. Ein graugelber Klumpen von etwa dreißig Metern Höhe. Auf dem Rückweg sehe ich, dass man ihn wahrscheinlich auch recht einfach südlich durch das Schuttfeld umgehen könnte. Ich nehme ihn direkt und klettere leicht auf den Gipfel.

Oben angekommen zieht sich die Bewölkung leider ziemlich zu. Den Übergang zur Kaltwasserkarspitze kann ich kaum erahnen. Und auch die sonstige Rundumsicht ist stark eingeschränkt. Dennoch bin ich dankbar hier zu sein und halte eine kleine Pujia ab.

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Einfach geht es zum Gipfelklumpen.

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Steil bricht die Nordwand ab.

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Rechts P. 2526, zu dem ich gleich noch möchte.

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Knapp rechts der Mitte erklimme ich den Gipfel der Rauhkarlspitze. Äußerst brüchig, was mir beim Anblick der gelben Störzone schon klar war.

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Nach knapp drei Stunden ab dem Radldepot am Gipfel.

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Der Übergang zur Kaltwasserkarspitze sieht nicht sonderlich verlockend aus.

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Blick zurück über das Rauhkarl und Unteres Moserkar. Etwa am grauen Schuttstrom in der Bildmitte steht das Rad.

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Herzlichen Dank.

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Diese Steilstufe geht es wieder hinunter. Die Brüchigkeit sollte erkennbar sein, die Steilheit leider weniger.

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Auf- und Abstieg des Gipfelklumpens aus der Nähe.

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Kurzer Blick nach Norden auf die Falkengruppe.

Ich mache trotz der bescheidenen Sicht eine dreiviertel Stunde Pause, während der noch noch ein Stück nach Westen sondiere, allerdings ohne aufschlussreiche Einsichten zur Kaltwasserkarspitze.

Dann klettere ich wieder über die kurze Steilstufe ab und flaniere über den breiten Gratrücken zur Westlichen Moserkarscharte. Hier tun sich beeindruckende und aufschlußreiche Blicke nach Norden auf. Durch diese steile Flanke führt ein Anstieg vom Kleinen Ahornboden herauf. Von unten kaum vorstellbar, aus dieser Perspektive doch möglich erscheinend.

Heute jedoch strebe ich den Gratübergang zum P. 2526 an. Eigentlich sollte die Route relativ am Grat entlang führen. Für mich ist das dieses Jahr allerdings eine der ersten richtigen Karwendeltouren und somit meine Psyche noch nicht gut auf die Ausgesetztheit geeicht. Anfangs finde ich eine erstaunlich feste Rinne, über die ich zum Grat möchte. Dieser steilt allerdings dergestalt auf, dass es mich in die mega brüchige Flanke abdrängt. Diese entpuppt sich wie üblich im Karwendel als senkrechter Bauschutt, durch den ich versuche mich schräg nach oben zu graben.

Eine einzige feste Stelle finde ich. Eine etwa drei Meter hohe glatte Platte, die kaum ein paar Dellen aufweist, an denen ich nach oben reibe. Für mich durch die starke Ausgesetztheit heute die psychische Schlüsselstelle. Sehr interessant: Genau hier finde ich einen eindeutigen Steinmann von einem anderen Wahnsinnigen, der sich hierher verirrt hat. Aber auch danach schaut der brüchige Grat schneidig und steil aus. Somit bleibe ich in der Flanke und quäle mich mühsam durch Rinnen und über abschüssige Bänder Richtung Gipfel. Aufgrund des diffizil zu behandelnden Materials komme ich gefühlt nur wie in Zeitlupe voran und brauche für den kompletten Übergang tatsächlich vierzig Minuten. Zwanzig ab Einstieg in die gute Rinne.

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Die Nordflanke zum Kleinen Ahornboden.

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Nochmal die Falkengruppe.

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Die unbezwingbar erscheindenen Laliderer Wände.

Moserkarscharte

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Kaum zu glauben, dass hier ein Anstieg herauf führen soll…

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Mein Übergang zum P. 2526. Die Schlüsselstelle war für mich eine glatte Platte.

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Oben sind bereits die zwei Gipfelkreuze zu erkennen, rechts der Mitte die Einstiegsrinne.

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Der Einstieg noch einmal aus der Nähe.

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Und hier geht es rauf. Angenehm fester Fels für Karwendelverhältnisse.

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Die ersten zwanzig Meter der Rinne.

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Na toll! Jetzt lichten sich die Wolken über der Rauhkarlspitze. Da hatte Ganesha wohl wieder seine Finger im Spiel. 😉 Schön zu erkennen, die Strecke die ich bereits zurückgelegt habe.

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Der Gipfelklumpen der Rauhkarlspitze im Zoom.

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Nach Verlassen der Rinne über brüchigen Müll weiter. Starke Zweifel quälen den Protagonisten ob der Richtigkeit seines Tuns.

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Blick über den Aufstieg. Das Material wird nach oben hin nicht besser.

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Gratverlauf von der Rauhkarlspitze zum P. 2526.

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Im Osten zeigt sich die formvollendete Pyramide der Moserkarspitze.

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Am Gipfel. Kurze aber harte Arbeit für die Psyche liegt hinter mir.

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Nochmal die wunderschöne Müllflanke, über die ich herauf gekrochen bin. Nochmal mache ich das nicht.

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Rauhkarlspitze

Vom Lafatscher bis zum Hohen Gleirsch.

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Blick nach Westen.

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Kaltwasserkarspitze im Zoom.

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Moserkarspitze, dahinter die Sonnenspitzen.

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Durch diese Flanke sind wir 2017 auf die Nördliche Sonnenspitze gestiegen.

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Und hier steige ich ab. Der Jägersteig beginnt ganz rechts, wo der Schutt in die Latschen mündet.

Hier heben sich die Wolken nun endgültig und geben diese phantastische Landschaft frei. Genussvoll bleibe und starre ich fast eine Stunde lang. Dann steige ich über den Südgrat ab und stoße im Rauhkarl wieder auf den Aufstiegsweg.

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